gomera für anfänger
Lieber Reisender,
der Sie zum ersten Mal auf die kleine Insel im großen Atlantik kommen, um zu urlauben, vergessen Sie bitte so einiges, was Sie übers Reisen wissen, dann klappt's auch mit dem Valle Gran Rey!

Die Anfahrt:
Das kleine Schiffchen bringt Sie von Teneriffa aus gerne und bequem übers Wasser, außer wenn es nicht geht. Zum Beispiel, weil bei Wind und Wellen zu viel geht. Deshalb informieren Sie sich lieber vorher, was geht, und ob das große Schiffchen nicht doch besser ist, weil es ein paar Wellen mehr aushält, als ein kleines.
Mit Ihrem Magen gehen Sie besser auch vor der Abreise in medias res. Vom kleinen Schiffchen aus kann man die Fische nämlich nicht füttern, da muss man drinnen bleiben. Das Gleiche gilt für das mittlere Schiffchen, nur auf dem ganz großen gibt es noch "an Deck stehen und über die Reling gebeugt die Möwen unterhalten", aber nicht gegen den Wind, gell? Bis zu einem gewissen Maß ist das prophylaktische Bereithalten von Reisetabletten hilfreich, ab einem gewissen Wellengang fällt die kleine Fähre aber aus. Das muss nicht passieren, kann aber: Ein Blick in die insularen Internetforen oder eine Nachfrage beim Reisebüro Ihrer Träume kann helfen, ein langes Gesicht am Hafen zu vermeiden.

Ein bisschen Inselknigge:

Die Sprache:
Die Landessprache auf La Gomera ist spanisch! Deshalb heißt es beim Betreten von Geschäften oder Restaurants ¡Holá! oder ¡Buenos dias!, und nicht "Tach" oder "Servus". Man muss kein Spanisch-Diplom mitbringen, aber in jedem Reiseführer stehen ein paar Floskeln, die einem den freundlichen Empfang sichern.
Wenn in Ihre Heimatstadt ein Fremder kommt, freuen Sie sich ja auch, wenn Sie merken, dass er wenigstens "Guten Tag" auf Deutsch geübt hat, nicht wahr?
Die insularen Servicekräfte als Deutscher auf englisch anzusprechen, ist ein vielbeobachtetes Phänomen, aber leider so albern wie zwecklos: Sie finden hier eher einheimische Servicekräfte mit Deutschkenntnissen als solche mit Oxford-Englisch.

Natürlich versteht der Kellner, wenn Sie Ihren Tunfisch auf Deutsch bestellen, aber "Atún a la plancha" (sprich: plantscha) zu üben, tut ja nicht ernsthaft weh, oder? Sie bekommen Ihren Tunfisch ohnehin serviert, aber nach der Bestellung in der Landessprache bekommen Sie ihn mit einem herzlicheren Lächeln serviert, wollen wir wetten?

Rauchen in Restaurants
Die Nichtraucherfraktion wird mich für diesen Tipp ins Meer werfen wollen, aber vielleicht können die Raucher mich ja wieder herausziehen:
Momentan ist die gesetzliche Lage zum Thema "Rauchen in Restaurants" etwas unklar, vorläufig gilt also, dass Gastronomen unter gewissen Umständen selbst entscheiden dürfen, ob geraucht werden darf oder nicht. Lustig fand ich in diesem Urlaub, dass in ganz vielen Touristen-Restaurants nicht geraucht wurde. Da hingen nämlich Schilder, auf denen eine Zigarette abgebildet war, und die Worte "Se permite fumar". Tja, wer Spanisch kann, ist schwer im Vorteil, zumindest, wenn er Raucher ist: Der Satz bedeutet nämlich, dass das Rauchen hier erlaubt ist! Ja, ich bin gemein, ich habe manchmal grinsen müssen, vor allem, wenn ich mir dann als Erste eine Zigarette angezündet habe, und die verzichtenden Raucher am Nebentisch mit ihrer Lungenschmacht darauf warteten, dass es Ärger gab, der dann aber gar nicht kam...

Aber: Wenn in einem Restaurant ein Rauchverbotsschild hängt, z. b. in Verbindung mit der Aufschrift "prohibido fumar" o. ä., dann ist das Rauchen tatsächlich untersagt. Ich bin selbst Raucherin, aber eine Mahlzeit lang die Kippe auszulassen, das halten wir doch aus, oder? Im Notfall gehen wir kurz vor die Tür, und gut ist!
Eine sehr schöne Situation erlebte ich in diesem Urlaub, als eine junge Familie mit einem Baby im Kinderwagen im Rauchertrakt eines Restaurants saß:
Alle haben auf ihre Zigarette verzichtet, bzw. gingen zum Rauchen vor die Tür, solange die Familie anwesend war. Einfach so, da bedurfte es keines Wortes. Nachdem die Familie das Restaurant verlassen hatte, und die Erwachsenen unter sich waren, klickten natürlich wieder die Feuerzeuge, aber dieses Musterbeispiel an sozial kompatiblem Raucherverhalten wollte ich Ihnen nicht vorenthalten!

Kneipenlärm
Oh, klar, sie haben lange genug auf Ihren Urlaub warten müssen, und nun wollen Sie auch die warmen Nächte auskosten und feiern - wer würde das nicht verstehen? Nun, wenn die Feier zu ausgelassen wird und die Stunde zu weit fortgeschritten ist, und über oder neben Ihrer Lieblingsbar Menschen wohnen, die am nächsten Tag (auch für Sie) arbeiten müssen, oder die kleine Kinder haben, die bei dem Krach nicht schlafen können, und morgen früh in der Schule nicht aufpassen können, weil sie übermüdet sind, dann kann die Beliebtheit von Touristen, so gern man sie sonst auch hat, schon einmal in den Keller sinken.

Bei uns zu Hause würden wir das ja auch nicht mögen, oder?
Im Laufe der Jahre hat es hier im Valle Gran Rey immer wieder Situationen gegeben, die damit endeten, dass Restaurants von der Stadtverwaltung die rote Karte bekamen und für eine Weile schließen mussten. Wünschen Sie das Ihrem Lieblingswirt? Doch sicher nicht! Und wenn Sie das nächste Mal in Valle Gran Rey kommen, möchten Sie doch auch wieder an Ihren Lieblingstresen zurückkommen. Wenn der Wirt also die Musik herunterdreht, und zu etwas leiserem Feiern auffordert, dann tun sie ihm und sich selbst den Gefallen, und schonen Sie die Ohren der Nachbarschaft.

Am Strand
Ich habe hier seit Anfang der 90er Jahre als Touri schon viel gesehen, auch vieles, was weder Einheimische, noch Residenten, noch Mittouristen sehen wollen. Zum Beispiel Fleisch an den falschen Stellen.
Auf dem Teller: Gerne, wenn es gut durchgebraten ist. Auf den Stühlen von Restaurantterrassen: kein Problem, wenn es wohlverpackt ist. So warm kann es nicht sein, dass man unterm Sonnenschirm vergeht, wenn man Shorts und T-Shirt trägt, oder? Stellen Sie sich vor, Sie müssten auf einem Stuhl sitzen, der vorher mit dem Gemisch aus Schweiß und Sonnencreme des vorigen Gastes von dessen nackten Beinen bestrichen wurde. Eklig, nicht wahr? Und zu Hause würden wir ja auch nicht mitten in der Fußgängerzone unserer Innenstadt in Badehose sitzen, oder? Der Paseo in La Playa ist die Fußgängerzone, auch wenn das immer wieder gerne vergessen wird. Ach ja, schlimm genug, dass man es erwähnen muss: Man geht nicht im Bikini oder in Badehose in Geschäfte - das gehört sich einfach nicht!

Und so, wie mit Sicherheit der Paseo zur Strandstraße Richtung Vueltas führt, so sicher führt er in eine besondere Zone mit Fleischverbot, nämlich an den Strand längs der Straße. Hier ist Fleisch erlaubt, sofern gewisse Portionen in Textilhüllen stecken, insbesondere der Südpol, aber auch der Wackelpudding.

FKK, liebe Urlauber, ist auf der ganzen Insel verboten. Dass das Nacktbaden an der Playa del Inglés stillschweigend geduldet wird, ist Entgegenkommen genug, auch wenn manch einer verärgert den eigentlich schönen Strand meidet, weil er nicht ständig "Der Mond ist aufgegangen" singen will, weil sich wieder ein entblößter Pöter vollmondgleich über dem Sand erhebt. Auch "Die Glocken von Rom" kommen einem hier in den Sinn, obwohl Quasimodo ja eigentlich im Notre Dame in Paris an den Glockenschwengeln gezogen hat.

Warum es dann noch sein muss, direkt an der Hauptverkehrsader am Dorfstrand von La Playa seinen Doppelsatz Wackelpudding in den Wind zu halten, entzieht sich meinem Verständnis, und dem vieler, die ich gefragt habe. So teuer ist ein Bikinioberteil doch nun auch wieder nicht! Dort laufen Kinder umher, der Pfarrer, Inselbewohner und Miturlauber auf dem Weg von A nach B.

Ist es wirklich notwendig, die hier lebenden oder urlaubenden Menschen zu zwangskonfrontieren, nur damit man einen braunen Wackelpudding mit nach Hause bringen kann?
Wer sich in Hamburg oder Essen barbusig neben die Hauptverkehrsstraße legt, wird doch schließlich auch verhaftet! Ich kenne viele, die sich im Valle Gran Rey ein ähnlich konsequentes Durchgreifen wünschen, sie werden sich freuen zu hören, dass Anfang Dezember 06 vor meinen erst entsetzten, dann feixenden Augen ein dreister Nackichmacher am Dorfstrand von der Guardia Civil aufgeschrieben wurde und nun einer saftigen multa entgegen sehen darf, wie man die Bußgelder hier nennt.

Höfliche Distanz
Ein heikles Thema, besonders unter den Residenten, ist der Umgang mit selbigen. Ich bin keiner, sondern eine Mittouristin, deshalb darf ich das Folgende aussprechen:
Lieber Urlauber, das Valle Gran Rey ist kein Disney-Themenpark, und weder die einheimischen noch die zugereisten Bewohner sind bezahlte Akteure zur Unterhaltung von Touristen!
Konkret gesagt: Wenn Sie in Deutschland einen Ausflug ins Sauerland machen, fragen Sie dann auch in den Läden beim Einkauf wildfremde Leute, die dort arbeiten: "Na, wie lebt es sich denn hier so?".
Bedenken Sie bitte das Folgende: Ins Valle Gran Rey, wie in jeden Ort, der stark von Touristen frequentiert wird, kommen jedes Jahr etliche tausend Touristen. Wenn Sie an einer Ladentheke stehen, möchten Sie doch auch nicht von Fremden angequatscht werden über ihr Privatleben und ihre Gefühle, schon gar nicht dreimal täglich, oder?
Wenn die Situation es hergibt, sind die meisten Menschen hier einem Scherz oder einem Schwatz alles andere als abgeneigt, solange ihre privaten Grenzen respektiert werden. Wenn Sie die Apotheke nicht selbst finden, wird es auch keinen Problem sein, jemanden um einen Rat zu fragen, aber versuchen Sie es doch zunächst einmal selbst, denn Postkartenverkäufer(innen) sind weder Inselführer noch das Tourismusbüro. Vor dem Ayuntamiento (Rathaus) an der Hauptstraße bei der Bushaltestelle steht ein kleines Häuschen, dort gibt es Broschüren und Auskunft.

Mietwagen fahren
Eine Tour mit dem Auto über die Insel, in den Nationalpark oder eines der anderen schönen Täler der Insel ist etwas feines. Aber bedenken Sie bitte: So tief die Täler sind, so hoch sind die Berge, und so gut die meisten Straßen inzwischen auch ausgebaut sind - die Strecken sind teilweise nicht ganz ohne! Die Kurverei auf den vielen Serpentinen, die auch nicht immer so ganz kalkulierbar sind, kann erheblich Schaukeln, da kann eine Reisetablette im Notgepäck eine ganz gute Vorsorge sein.

Ein weiteres Problem beim Autofahren kann Höhenangst sein! Ich wurde Zeuge, wie in Arure ein Autofahrer im Wagen vor mir von Panik ergriffen wurde, zu weit nach rechts zog, und das parkende Auto eines Bauern traf. Zum Glück wurde nur dessen Außenspiegel umgeklappt, aber der Bauer war erstens anwesend und zweitens zornig, was nur zu verständlich war.
Der Konflikt eskalierte glücklicherweise nicht, weil ich ausstieg, dem englischen Touristen klarmachen konnte, er möge sofort sehr deutlich zerknirscht schauen, damit ich das für ihn regeln kann, und erklärte sodann mit meinem bisschen Spanisch dem Bauern, der Tourist habe Angst bekommen, und es tue ihm sehr, sehr leid, etc.
Der Tourist, der immer noch bleich war, versprach, ganz vorsichtig zum Autovermieter zu fahren, und sein Auto vorzeitig abzugeben und künftig den Bus zu nehmen. So, wie er zitterte, hat der das wirklich gemacht.
Liebe Mittouristen, ich bin aber selber nur ein Tourist, und deshalb meist nicht in der Nähe, also: Überschätzen sie sich nicht, bleiben sie vorausschauend! Hupen Sie vor engen Kurven lieber einmal zu viel, und rasen Sie nicht. Lassen Sie Hintermänner überholen, sofern möglich, wenn Ihnen die Straßen nicht geheuer sind. Wenn Sie unter Höhenangst leiden, nehmen Sie den Bus oder ein Taxi!
Dass Alkohol und Drogen nichts im Autofahrerblut zu suchen haben, versteht sich hoffentlich von selbst!
Ich bin eine von den vielen, die schon genug Autowracks an unteren Ende von Hängen gesehen haben, wir alle möchten Sie nicht da unten liegen sehen!

Zum guten Schluss:
Ich höre schon die Stimmen, die mir Schulmeisterei und Spießertum vorwerfen, und mit welchen Recht ich denn, ..... ist doch bloß Touristin, wat will die denn ....
Ganz einfach: Ich fahre gern ins Valle Gran Rey, ich mag die Insel und ihre Bewohner und Besucher, und harmoniesüchtig wie ich bin, will ich Konflikte aus dem weg schaffen, bevor sie entstehen, damit sich alle Beteiligten wohl fühlen!
Ach ja, eine Kleinigkeit wäre da auch noch: Ich wurde für diesen Job engagiert, auch wenn jedes Wort tatsächlich meine Meinung ist. Wenn Sie Ihnen nicht gefallen sollte, schimpfen Sie mit mir - nicht mit den Betreibern dieser Seite.

Schönen Urlaub!

Ihre

Susanne Skuballa


© Susanne Skuballa, 2007

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